Mit der neurophysiologischen Rota -Therapie werden Neugeborene und Säuglinge wie auch größere Kinder und Erwachsene behandelt.

    Bei einer standardmäßigen Vorsorgeuntersuchung (einer sog. "U") überprüft der Kinderarzt Reflexreaktionen des Körpers auf Lageveränderungen im Raum. Eine Therapie ist anzuraten, wenn sich dabei Auffälligkeiten zeigen. Diese weisen z.B. auf Störungen oder Verzögerungen in der (Bewegungs-) Entwicklung hin. Derartige Auffälligkeiten beschränken sich allerdings nicht nur auf die Motorik, sondern beziehen sich auch auf sensorische, vegetative und emotionale Bereiche. Man nennt dieses Krankheitsbild „Zentrale Koordinationsstörung“ (ZKS), da die auftretenden Störungen von zentral - d. h. vom Gehirn ausgehen.

    Ursächlich dafür verantwortlich ist eine zu hohe oder zu niedrige Muskelspannung (Hypertonus bzw. Hypotonus). Mit der Rota - Therapie wird die ZKS ganzheitlich behandelt, es geht also nicht darum die Symptome  (s. bei Indikationen)  isoliert zu behandeln, sondern deren Ursachen heilend zu beeinflussen. Wird die ZKS im Säuglingsalter nicht erkannt und behandelt, können sich tiefgreifende gesundheitliche Belastungen entwickeln.

     

    Das Zielorgan Gehirn

     

    Das Zielorgan der neurophysiologischen Therapie ist das Gehirn, und dort die Bereiche, die die Bewegungsentwicklung und den für die Bewegung und Haltung notwendigen Muskeltonus regeln. Alle Muskeln müssen bei der Haltung des Körpers in einer bestimmten Lage im Raum, sowie auch bei der Bewegung von einer Lage in die andere, richtig koordiniert sein.

    Liegt eine Störung in der senso-motorischen Bewegungsentwicklung vor, bewegt sich ein Kind  über die Monate bis zum Krabbeln mit Hilfe von reflexgesteuerten  Bewegungsmustern.  Beim neugeborenen Kind bis zum 3.Lebensmonat sind diese Reflexbewegungen noch physiologisch. Bei der belasteten Entwicklung werden diese Reflexe  nicht selbstständig abgebaut.

    Jede aktive Bewegung wir dann mit unkoordiniertem Muskeltonus ausgeführt. Ohne therapeutische Hilfe geschieht dies fortgesetzt. Das Gehirn übt so die falschen, primitiven Bewegungsmuster ein und diese bilden dann die Basis für die nachfolgende Entwicklung bis hin zur Aufrichtung. So wird dann die aktive Bewegung  immer durch Unreife gekennzeichnet sein.

    Es ist deswegen sinnvoll, möglichst früh solche Belastungen zu erkennen und zu behandeln, damit keine Fixierung im Gehirn stattfindet.

    Die Rota -Therapie orientiert sich immer an den primären Bedürfnissen des Kindes, und zwar bezogen auf seinen körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklungsstand.

    Ein Grundbedürfnis des kleinen Kindes ist es,  bei der Mutter zu sein. Daraus ergibt sich, daß in der Therapie zunächst die Mutter ihren Säugling auf dem Schoß hat und die Bewegungen (s.u.) durchführt. Die Aufgabe der Therapeutin ist es, die Mutter in allem, was ihr Kind zu einer gesunden Entwicklung an Hilfe und Unterstützung braucht, anzulernen.

     

    Die praktische Umsetzung

     

    Die Basis der Rota - Therapie beim Säugling sind Rotationsübungen, die die Mutter mit ihrem Kind auf dem Schoß durchführt.

    In den Rotationsbewegungen wird das Kind in einer bestimmten festgelegten Reihenfolge von der Mutter bewegt. Es wird um die eigenen Körperachsen im Raum gedreht, indem es in verschiedene, sich immer wiederholende  Positionen gebracht wird (das sind: Bauchlage, Seitenlage, Rückenlage, Sitzen im Arm).   

    Diese Bewegungen werden mit dem Kind zunächst passiv, später zunehmend aktiv nur in richtigen, nicht von Reflexen gesteuerten, d.h. physiologischen Bewegungsabläufen ausgeführt. Durch die ständige, gemütliche Wiederholung prägen sich diese gesunden Bewegungs- und Haltungsmuster  im Gehirn ein. Sie werden anstatt der bisherigen „falschen“ übernommen. Die falschen (d.h. immer die reflexgesteuerten) Bewegungsmuster kommen so immer seltener vor, verkümmern und geraten in Vergessenheit.

    Wie lange und wie oft am Tag die Hilfe über die Bewegungsübungen auf dem Schoß notwendig ist, richtet sich nach der Schwere der festgestellten Entwicklungsstörung.

     

    Das  kleine Kind schläft oft während des Bewegens auf dem Schoß ein. Die heilsame und regulierende Wirkung der Übung bleibt davon unbeeinflußt. Zunehmend beginnt es aber, sich bei den Positionswechseln aktiv zu beteiligen, zu schauen, zu erzählen, zuzuhören, zu lachen. Es sieht seine Umgebung, fühlt seinen Körper und den der Mutter in immer wiederkehrender, gleichmäßiger Abfolge. Dadurch lernt es, daß die Veränderung der Körperlage im Raum ein verändertes eigenes Wahrnehmen und der Umgebung mit sich bringt. Und indem das Kind immer und immer wieder das gleiche sieht und fühlt, erwirbt es sich eine tiefe Sicherheit für die Körperbeherrschung, für alle späteren fein- und grobmotorischen Funktionen. In diesem ganzen Lernen und Fühlen ist die geistige Aktivität des Kindes angesprochen.

     

    Je nach Schwere der Betroffenheit kann es zunächst ein Stück mühsame Arbeit sein, das Kind in den runden Bewegungsabläufen zu führen. Nämlich dann, wenn die Reflexbewegungen sehr stark sind,  und ein sich daraus schon entwickelter zu hoher Muskeltonus Widerstand bietet.

    In dieser Phase weint das Kind durchaus auch. Auch die Veränderung zum guten, zum besseren hin muß als zunächst fremdes, unbekanntes eigenes Wahrnehmen  bewältigt werden.

    Sind jedoch durch die ständig wiederholte Hilfe die falschen, belastenden Anspannungen stark reduziert und normalisiert, können Mutter und Kind die Bewegungen genießen, beide erleben die Zeit der Übung als eine Zeit ungestörter und inniger Zuwendung.

    Auf einen Aspekt in der Rotationsübung sei hier besonders hingewiesen, da er von fundamentaler Bedeutung für die gesamte spätere sensomotorische Entwicklung ist:

    der sog. diagonale Augen-Hände-Fuß-Mund-Kontakt.

    In der gesunden Entwicklung beginnt dieser Kontakt immer von alleine im Alter von 4-5 Lebensmonaten und bleibt bis weit über das erste Lebensjahr hinaus erhalten. Durch dieses „den Fuß anschauen, mit beiden Händen dann jeweils einen Fuß greifen und in den Mund nehmen" wird  ganz besonders die Koordination der beiden Gehirnhälften gefördert, die für die gesunde Entwicklung des Kindes - auch auf geistiger Ebene - von großer Bedeutung ist.

       

    Der Fuß wird dem Kind im Laufe der Monate nie „langweilig", da er der geistigen Reife entsprechend immer differenzierter wahrgenommen wird. Durch das häufige Be"greifen" wird er in das Körperschema gut integriert. Dafür ist es notwendig, daß die Füße immer barfuß sind!  Ein Kind, welches diese Phase intensiv erlebt, wird später einmal gut und sicher laufen können, nicht dauernd hinfallen und stolpern, denn es weiß ja sehr gut um die Füße dort unten auf dem Boden. Der Augen-Hand-Fuß-Mund-Kontakt  wird in der Rotationsübung in allen Positionen außer der Bauchlage ermöglicht und gefördert.

    Dies sind in diesem Zusammenhang nur einige Aspekte dieser wichtigen Phase.

     

    Die Umsetzung im Alltag

    Als zweiten wichtigen Bestandteil der neurophysiologischen Therapie lernen die Eltern im alltäglichen Umgang mit ihrem Kind keine der falschen Reflexreaktionen auszulösen. Denn sonst würden die Symptome ja noch verstärkt.

    Die Eltern lernen, wie sie ihr Kind am günstigsten tragen, es hochnehmen oder hinlegen, wie die Mutter es beim Stillen anlegt, mit dem Löffel füttert und aus dem Glas trinken läßt, wie es auf dem Schoß gewickelt, an- und ausgezogen und wie es beim Baden gehalten wird.   

    Die Eltern lernen erkennen und verstehen warum dies alles sinnvoll und zudem auch noch sehr praktisch ist.

    Es sind alles einfache und schnell zu erlernende Handgriffe, über die bald nicht mehr nachgedacht werden muß.

    Durch diese richtigen Alltagsgriffe wird die Rotationsübung effektiver, da eben auch während der Zeit außerhalb der speziellen Bewegungen auf dem Schoß so wenig wie möglich die falschen Bewegungsmuster im Gehirn gespeichert werden können und der Effekt des „Vergessens" so verstärkt wird.

     

    Werden die oben beschriebenen Symptome im Säuglingsalter nicht bemerkt und nicht behandelt,  kann es dadurch früher oder später in der weiteren Entwicklung zu mehr oder weniger ausgeprägten Störungen kommen. (s. Indikationen)

     

    Wenn gleich natürlich gilt: Je früher desto besser, kann mit der Rota - Therapie auch jenseits des Säuglingsalters wirkungsvoll geholfen werden.

     In jedem Alter und bei jeglichem Schweregrad der Symptomatik.

     

    Die größeren Kinder oder Erwachsenen erlernen Körperübungen, die sie täglich zu Hause auf dem Boden durchführen.

    Das Grundprinzip ist, wie bei den Bewegungen des Säuglings auf dem Schoß, die Rotation im Körper (Drehung der Wirbelsäule) und die Rotation des Körpers um die Achsen im Raum.

    Konkret bedeutet das, in einer bestimmten Weise auf dem Bauch, auf der Seite, auf dem Rücken liegen, in einer bestimmten Weise sitzen, wobei die Positionen in einem notwendigen, gemütlichen  Rhythmus gewechselt werden. Für die Wirkung der Bewegungen braucht es das Verweilen in einer Position und das Bewegen um die Körperachse.

    Auch bei der Therapie für „die Großen“ gilt die Regel, daß in der Bewegung und Körperhaltung keine der  frühkindlichen, jetzt noch aktiven Reflexmuster zugelassen werden.

    Genauso gilt es hier, helfende Verhaltensweisen im Alltag zu erlernen, z.B. beim Sitzen, beim Lernen, beim Sport, beim Schlafen. Oder die Besserung störende und hemmende Aktivitäten wegzulassen. So stellt sich der Effekt des täglichen Übens baldmöglichst  ein.

    Unumgänglich ist das tägliche Üben. Ohne Fleiß, kein Preis.

     

    Wenn sich durch ausreichende Therapie keine objektiven wie subjektiven Symptome mehr zeigen, empfiehlt es sich, einmal am Tag die Bewegungsschulung beizubehalten, sozusagen als Körperpflege. So wie gesunde Zähne geputzt werden, damit sie gesund bleiben. Auf diese Weise kann  der Mensch, gleich welchen Alters, die vielen Entwicklungsschritte in allen Bereichen seines Menschseins stabil und gesund vollziehen und erleben.

 

     

    Eine neue Therapie?

    Rota -Therapie, hab ich noch nie gehört.
    Ist das was neues?


    Nein, ich habe nichts neues erfunden.

    Daß die Rotation des Körpers im Raum und die Rotation der Wirbelsäule in sich eine ordnende und - da wo Krankheit ist - eine heilende  Wirkung auf die Spannungsregulation des Körpers hat, ist in der Medizin schon lange bekannt.

    Dieses Wissen wird in den verschiedensten sog. neurophysiologischen Therapien umgesetzt.

    Rotation - passiv erfahren oder aktiv umgesetzt -  ist ein Impuls für das Gehirn, eine gute, normotone Regulation der Spannung (Tonus) aller Körperstrukturen zu koordinieren. Also der Muskulatur (der glatten wie der quergestreiften) und allen Gewebes.

    Die gute Funktion aller Muskeln und dadurch der Gelenke,  sowie die gute Funktion aller Organe ist abhängig vom guten Tonus.

    Dann das Neue


    Die ROTA-Therapie setzt diese Erkenntnisse in einer eigenen, empirisch gewachsenen Weise therapeutisch um. Sie ist angezeigt bei Funktions- und Entwicklungsstörungen, deren Ursache in einer zentral (  =vom Gehirn ausgehend  ) gestörten Tonusregulation liegt. Unzureichende oder nicht mögliche Grundfunktion im Sinne der Meilensteine wird nicht geübt. Durch genügend und richtige Rotation des Körpers kommt die gute Funktion und Entwicklung spontan. Wie oben schon erwähnt, geht es hier immer um grundlegende Funktionen im Sinne der Meilensteinentwicklung des Neugeborenen bis zum Erreichen des physiologischen Krabbelns. 

    Konkret heißt das zum Beispiel:

    Klavierspielen muß geübt werden. Wenn allerdings die Hände sehr verkrampft sind,  sich die Finger nicht gut strecken lassen und dadurch ungeschickt sind,  wird nicht an und mit den Händen geübt, da die Ursache für einen zu starken Beugetonus (Verkrampfung) nicht in den Händen sondern im Gehirn liegt.  In diesem Fall wird Klavierspielen oder sonstige feinmotorische Aktivität  nicht geübt (Vorausgesetzt natürlich, es handelt sich um die Auswirkung einer zentralen Belastung und nicht um eine periphere Verletzung im Bereich von Arm oder Hand.)

     

    Dieses Beispiel lässt sich auf alle anderen vergleichbaren Situationen übertragen:

    - Wenn ein Kind nicht krabbelt, wird nicht krabbeln geübt, - oder es wird ein Kind mit einer spastischen Störung nicht passiv auf die Füße gestellt,  weder mit Hilfe eines Stehbretts, noch mit Orthesen, noch über einem Ball liegend u.s.w.

    Es wird hingegen das Wissen um die heilende Wirkung der Rotation konsequent in die Praxis umgesetzt. Noch einmal: Die gesunde Funktion ist im Gehirn bekannt weil angelegt und deswegen wird sie nicht antrainiert.

     

    - So bekommen die Säuglinge auch keine Spreizhose bei einer gestörten Entwicklung der Hüftgelenke, da die Ursache hierfür auch in einer gestörten Tonusregulation des ganzen Körpers – d.h. im Gehirn - liegt. Die Hüfte entwickelt sich gesund mit Hilfe der Rotationstherapie. Das ist die ursächliche Hilfe.

    - Das gleiche gilt für Fußdeformitäten die im Gesamtbild einer zentralen Koordinationsstörung (ZKS) auftreten (Sichel-, Hacken-, und oder Klumpfüße).

    - Auch der zu enge Kiefer, in dem die Zähne nicht genügend Platz haben, steht im Zusammenhang mit einer Tonuserhöhung des gesamten Körpers und erfährt eine Verbesserung unter der ganzheitlichen Therapie. So kann – bei rechtzeitigem Beginn – durchaus eine kostspielige und für den Organismus belastende Zahnspangenbehandlung umgangen werden.

    - Bei schlechtem Gleichgewicht werden keine Gleichgewichtsübungen gemacht.

    Dieses Prinzip läßt sich auf viele weitere Symptome übertragen.

     

    Für alle diese Beispiele gilt:

    Der „Störfaktor“ falsche Tonusregulation im Gehirn  wird – bei frühzeitigem Beginn – durch die Rotationen weggenommen oder aber bei einer sehr schweren Störung oder spätem Beginn reduziert.  Dann kann sich der Körper mit all seinen Funktionen gesund oder mit dem noch inneliegenden Potenzial entwickeln.

    Das gleiche Prinzip trifft auf alle im Kapitel „Indikationen“ genannten Symptomenbilder (Krankheitsbilder) zu. 

     

    Ganzheitlich nennt sich diese Therapie  weil durch die Vermittlung einer Therapeutin alle notwendigen Hilfen für eine gesunde Entwicklung in der Fein- sowie Grobmotorik in die Hand der Eltern gegeben werden.

    Es entfallen wochen- oder monatelange regelmäßige Fahrten zu den verschiedensten Therapeuten da das Kind umfassend und verantwortlich zu Hause behandelt werden kann.

    Telefonische Besprechungen sind hilfreich und besonders in der ersten Zeit unabdingbar. Kontrolltermine werden nach Absprache und Notwendigkeit festgelegt.

    In schwierigen Situationen können auch intensive tägliche Therapieintervalle angezeigt sein, in denen ich auch selbst ein Kind behandle bis ein gutes Tonusniveau erreicht  und zu Hause eine ausreichende  Umsetzung der Übung möglich ist.

    Ganz neu

    ist ein spezieller Tisch der den Vorschul- und Schulkindern durch optimale physiologische Körperhaltung malen und schreiben, lesen und lernen erleichtert, wenn dies aufgrund einer ganzheitlichen Koordinationsstörung  schwierig ist.

    Siehe hierzu den extra Button  Rota -Tisch